Du möchtest Lehrer oder Lehrerin werden und überlegst, Lehramt zu studieren? Dann fragst du dich wahrscheinlich, was dich im Studium eigentlich erwartet. Welche Fächer studiert man? Wie viel Pädagogik gehört dazu? Wann geht es zum ersten Mal in die Schule? Und wie lange dauert das Ganze?
Das Lehramtsstudium verbindet mehrere Bereiche miteinander. Du beschäftigst dich intensiv mit deinen Unterrichtsfächern, lernst pädagogische und didaktische Grundlagen kennen und sammelst erste praktische Erfahrungen an Schulen.
Wie das Studium genau aufgebaut ist, hängt allerdings vom Bundesland, der Hochschule und der angestrebten Schulform ab. Trotzdem gibt es einige typische Bestandteile, die dir einen guten Eindruck davon vermitteln, was dich erwartet.
Welche Schulform möchtest du unterrichten?
Bevor das Studium überhaupt beginnt, steht eine wichtige Entscheidung an: An welcher Schulform möchtest du später unterrichten? Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Studiengänge und Lehrämter, beispielsweise für Grundschulen, weiterführende Schulen oder berufliche Schulen. Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur deinen späteren Arbeitsplatz, sondern auch die Inhalte deines Studiums. Wer Grundschullehramt studiert, wird beispielsweise anders ausgebildet als jemand, der später Mathematik und Physik an einer weiterführenden Schule unterrichten möchte. Informiere dich deshalb vor der Bewerbung genau darüber, welche Lehramtsstudiengänge deine Wunschhochschule anbietet. Welche Fächer studiert man auf Lehramt?
In vielen Lehramtsstudiengängen entscheidest du dich für bestimmte Unterrichtsfächer beziehungsweise eine Fächerkombination.
Das können beispielsweise sein:
- Deutsch
- Mathematik
- Englisch
- Geschichte
- Biologie
- Chemie
- Physik
- Geografie
- Sport
- Musik
- Kunst
- Informatik
Welche Kombinationen möglich sind, hängt von Hochschule, Bundesland und angestrebtem Lehramt ab. Ein wichtiger Punkt wird dabei manchmal unterschätzt: Im Lehramtsstudium lernst du nicht nur, wie du ein Fach unterrichtest. Du studierst auch das Fach selbst. Wer beispielsweise Mathematik auf Lehramt studiert, beschäftigt sich deshalb mit deutlich mehr als dem Schulstoff, den er später unterrichten wird.
Fachwissenschaft: Du musst dein Fach wirklich verstehen
Ein großer Bestandteil des Studiums ist die sogenannte Fachwissenschaft. Hier beschäftigst du dich intensiv mit deinen gewählten Fächern. Das kann gerade zu Beginn überraschen, denn nicht jede Vorlesung hat unmittelbar etwas mit dem späteren Unterricht zu tun. Im Deutschstudium können beispielsweise Literaturwissenschaft und Sprachwissenschaft auf dem Stundenplan stehen. In Mathematik erwarten dich unter anderem mathematische Grundlagen und weiterführende fachwissenschaftliche Themen. Das Ziel dahinter ist nachvollziehbar: Als Lehrkraft sollst du dein Fach nicht nur auf dem Niveau deiner Schülerinnen und Schüler beherrschen, sondern Zusammenhänge deutlich tiefer verstehen.
Fachdidaktik: Wie vermittle ich mein Fach?
- Fachwissen allein macht noch keinen guten Unterricht.
- Deshalb kommt die Fachdidaktik ins Spiel.
- Hier geht es darum, wie fachliche Inhalte vermittelt werden können.
- Du beschäftigst dich beispielsweise mit Fragen wie:
- Wie erkläre ich einen schwierigen Inhalt verständlich?
- Welche typischen Fehler machen Schülerinnen und Schüler?
- Wie plane ich eine Unterrichtsstunde?
- Welche Aufgaben eignen sich für unterschiedliche Lernziele?
Wie kann ich feststellen, ob meine Klasse einen Inhalt wirklich verstanden hat? Die Fachdidaktik bildet damit gewissermaßen die Brücke zwischen Universität und Klassenzimmer.
Bildungswissenschaften: Lernen, Entwicklung und Schule verstehen
Neben deinen Unterrichtsfächern gehören normalerweise auch bildungswissenschaftliche beziehungsweise pädagogische Inhalte zum Studium.
Dabei können unter anderem Themen wie diese eine Rolle spielen:
- Lernen und Motivation
- Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
- Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen
- Diagnostik und Leistungsbewertung
- Inklusion
- Unterrichtsplanung
- Bildung und Erziehung
- Schule als Institution
Dieser Teil des Studiums ist besonders wichtig, weil der Lehrerberuf weit über das reine Vermitteln von Fachwissen hinausgeht.
Schülerinnen und Schüler lernen unterschiedlich schnell, bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit und benötigen unterschiedliche Formen der Unterstützung.
Wann kommt die Praxis?
Irgendwann möchtest du nicht mehr nur über Unterricht sprechen, sondern selbst erleben, wie Schule aus der Perspektive einer Lehrkraft funktioniert. Deshalb gehören zum Lehramtsstudium in der Regel auch schulpraktische Phasen. Je nach Studiengang und Bundesland können Umfang und Zeitpunkt unterschiedlich ausfallen. Während solcher Praktika kannst du Unterricht beobachten, erste eigene Unterrichtsversuche durchführen und den Schulalltag kennenlernen. Und genau dabei stellen viele Studierende zum ersten Mal fest, wie komplex Unterricht tatsächlich ist. Vor einer Klasse zu stehen bedeutet schließlich, gleichzeitig Inhalte zu erklären, Fragen zu beantworten, die Zeit im Blick zu behalten, auf Störungen zu reagieren und herauszufinden, ob die Schülerinnen und Schüler überhaupt folgen können. Theorie und Praxis treffen hier unmittelbar aufeinander.
Bachelor und Master oder Staatsexamen?
Der Aufbau des Lehramtsstudiums ist in Deutschland nicht überall identisch. Je nach Bundesland und Hochschule kann das Studium beispielsweise über Bachelor und Master organisiert sein oder auf eine Staatsprüfung beziehungsweise ein Staatsexamen hinauslaufen. Bei Bachelor-Master-Modellen absolvierst du zunächst den Bachelor und anschließend einen lehramtsbezogenen Master, häufig den Master of Education. Da sich die Regelungen zwischen den Bundesländern unterscheiden und ändern können, solltest du dich unbedingt bei der jeweiligen Hochschule und dem zuständigen Kultus- oder Bildungsministerium über den aktuellen Ausbildungsweg informieren.
Und was kommt nach dem Studium?
Mit dem Hochschulabschluss ist die Ausbildung zur Lehrkraft häufig noch nicht beendet. Im klassischen Ausbildungsweg folgt anschließend der Vorbereitungsdienst, der oft als Referendariat bezeichnet wird. Jetzt verlagert sich der Schwerpunkt deutlich stärker in Richtung Praxis. Du unterrichtest an einer Schule, wirst begleitet und besuchst parallel Ausbildungsangebote. Unterrichtsplanung, Klassenführung und Reflexion spielen dabei eine große Rolle. Am Ende steht – abhängig vom jeweiligen Ausbildungsweg – eine weitere Prüfung beziehungsweise Qualifikation. Erst danach ist der klassische Weg von der Universität in den vollständig ausgebildeten Lehrerberuf abgeschlossen.
Wie lange dauert das Lehramtsstudium?
Darauf gibt es keine einzige Antwort. Die vorgesehene Studiendauer hängt vom jeweiligen Lehramt und Studienmodell ab. Außerdem folgt auf das Studium häufig noch der Vorbereitungsdienst. Wer sich für Lehramt interessiert, sollte deshalb nicht nur auf die Dauer des Bachelorstudiums schauen, sondern den gesamten Ausbildungsweg berücksichtigen. Die aktuellen Regelstudienzeiten findest du am zuverlässigsten direkt bei den Hochschulen.
Fazit: Das Lehramtsstudium verbindet Fachwissen und Pädagogik
Das Lehramtsstudium besteht aus deutlich mehr als Pädagogik und ein bisschen Unterrichtsvorbereitung. Du beschäftigst dich intensiv mit deinen Fächern, lernst didaktische und bildungswissenschaftliche Grundlagen kennen und sammelst während verschiedener Praxisphasen Erfahrungen in der Schule. Dabei wirst du vermutlich auch feststellen, dass zwischen ein Fach beherrschen und ein Fach gut unterrichten können ein großer Unterschied liegt. Wenn du gerne mit jungen Menschen arbeitest, dich für deine Fächer begeisterst und Freude daran hast, anderen etwas verständlich zu machen, kann das Lehramtsstudium der Anfang eines abwechslungsreichen Berufswegs sein.