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Lehrkräfte als Motivationsmotor: Was die Forschung 2026 zeigt

Thomas Kowatsch | 29. Juni 2026

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Lehrkräfte als Motivationsmotor: Was die Forschung 2026 zeigt

Bildungsforschung


6 Minuten Lesezeit · Aktuelle Studien 2025/2026 · Alle Schularten


Ob Schülerinnen und Schüler motiviert lernen, hängt von vielen Faktoren ab, aber einer steht ganz oben: die Lehrkraft. Aktuelle Studien aus dem Jahr 2026 zeigen mit bisher ungekannter Präzision, wie stark Lehrerfreude, Lehrererwartungen und die Qualität der Beziehung das Lernen tatsächlich beeinflussen. Und was das für den Unterrichtsalltag bedeutet.


Eine im Juni 2026 im Journal of Educational Psychology veröffentlichte Analyse des Teams um Marina Elena Pfeifer von der Ludwig-Maximilians-Universität München liefert einen der bisher präzisesten Nachweise: Das emotionale Erleben von Lehrkräften im Unterricht wirkt direkt auf die Lernmotivation und die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler.


Das Ergebnis ist eindeutig:

Wenn Lehrkräfte Freude an ihrem Tun empfinden, bieten sie qualitativ hochwertigeren Unterricht, der das Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler in ihre Fähigkeiten, ihr Interesse und ihre schulischen Leistungen stärkt. Verärgerte Lehrende hingegen gehen mit schlechterem Unterricht und schlechteren Lernergebnissen der Schülerinnen und Schüler einher. Diese Erkenntnis ist keine Aufforderung zur permanenten Begeisterung. Sie ist ein Hinweis darauf, dass die emotionale Verfassung von Lehrkräften. ihr Wohlbefinden, ihre Motivation, ihre Arbeitsbedingungen keine Nebensache ist. Sie ist eine Variable, die direkt in die Klassenzimmer wirkt.


Was das Schulbarometer 2026 zeigt

Psychische Belastung steigt - und Lehrkräfte stehen im Zentrum

Das Deutsche Schulbarometer 2025/26 der Robert Bosch Stiftung zeigt eine alarmierende Entwicklung: 25 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen gelten als psychisch auffällig oder liegen im Grenzbereich - ein Anstieg gegenüber 21 Prozent im Vorjahr. Überdurchschnittlich betroffen sind Kinder aus einkommensschwachen Familien.


Was das für Lehrkräfte bedeutet: Die Schülerinnen und Schüler, die in die Klassen kommen, bringen zunehmend nicht nur unterschiedliche kognitive Voraussetzungen mit - sondern auch emotionale Belastungen, die Motivation, Konzentration und Sozialverhalten beeinflussen. Unterricht findet in einem anderen Kontext statt als noch vor fünf Jahren.


Gleichzeitig zeigt das Schulbarometer: Wer Klassenklima, Beteiligung und emotionale Unterstützung systematisch stärkt, fördert nicht nur Lernprozesse, sondern auch das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen im Schulalltag. Das ist ein Befund, der Lehrkräfte ermächtigt, nicht überlastet.


Für Lehrkräfte liegt der praktische Mehrwert der Studie damit auf der Hand: Wer Klassenklima, Beteiligung und Unterstützung systematisch stärkt, fördert nicht nur Lernprozesse, sondern auch das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen im Schulalltag. (Lehrer-Online, 2026)


"Wenn Lehrkräfte Freude an ihrem Tun empfinden, bieten sie qualitativ hochwertigeren Unterricht, der das Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler in ihre Fähigkeiten, ihr Interesse und ihre schulischen Leistungen stärkt. Pfeifer et al., LMU München, 2026"


Was die Forschung insgesamt zeigt

Drei Mechanismen - gut belegt

Die aktuelle Forschung aus 2025 und 2026 bestätigt und präzisiert, was die Lernpsychologie seit Jahren postuliert: Lehrkräfte wirken nicht allein durch ihre Methodik, sondern über drei gut belegte Mechanismen.


01 Emotionale Kontagion:

Emotionen sind ansteckend, auch im Klassenzimmer. Freude, Begeisterung und Ruhe übertragen sich auf Schülerinnen und Schüler messbarer als bisher angenommen. Das gilt in beide Richtungen: Auch Frustration und Ärger wirken weiter, als man denkt.


02 Erwartungseffekte (Pygmalion-Effekt):

Studien der Martin-Luther-Universität Halle belegen: Negative Einstellungen von Lehrkräften wirken wie selbsterfüllende Prophezeiungen, wem nichts zugetraut wird, der schafft es oft auch nicht. Die Zahl negativer Beschreibungen einer Klasse korreliert direkt mit sinkender Motivation.


03 Beziehungsqualität als Lernbasis - Di Lisio et al. (2025) mit 45 Studien:

Positive Lehrer-Schüler*innen-Beziehungen stehen konsistent mit höherem Engagement und besseren Leistungen in Zusammenhang. Belastete Beziehungen sind häufig mit Leistungsabfall oder Schulverweigerung verknüpft.


Für Referendarinnen und Referendare

Die eigene Motivation ist ansteckend. Wer von einem Thema wirklich begeistert ist und das zeigt, erreicht Schülerinnen und Schüler anders als jemand, der es nur abarbeitet. Das ist keine Floskel - es ist eines der am besten belegten Ergebnisse der aktuellen Unterrichtsforschung.


Die Kehrseite - Motivation wirkt in beide Richtungen

Die Forschung zeigt auch: Der Einfluss der Beziehungsqualität wirkt nicht nur auf Schülerinnen und Schüler, sondern zurück auf die Lehrkraft selbst. Unmotivierte, undisziplinierte Klassen erhöhen die emotionale Erschöpfung von Lehrkräften messbar.

Das bedeutet: Investitionen in Beziehungsqualität sind keine Einbahnstraße. Sie schützen auch die Lehrkraft. Eine Klasse, die sich gesehen fühlt, ist leichter zu unterrichten, nicht weil sie perfekt ist, sondern weil die Grundlage stimmt.


Zum Mitnehmen:

Motivation lässt sich nicht erzwingen. Aber sie lässt sich ermöglichen, durch echtes Interesse, faire Erwartungen und eine Beziehung, in der Schülerinnen und Schüler sich sicher genug fühlen, um wirklich mitzudenken.



Dieser Artikel wurde von Thomas Kowatsch verfasst


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