Wer in Baden-Württemberg Lehramt studieren möchte, stößt schnell auf zwei Hochschulformen: Pädagogische Hochschule (PH) und Universität. Doch worin unterscheiden sie sich und welche Vor- und Nachteile gibt es?
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Man kann nicht völlig frei zwischen PH und Universität wählen. Entscheidend ist vor allem, an welcher Schulart man später unterrichten möchte.
Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule
Baden-Württemberg besitzt sechs Pädagogische Hochschulen. Dort werden insbesondere Lehrkräfte für Grundschule, Sekundarstufe I und Sonderpädagogik ausgebildet. Auch beim höheren Lehramt an beruflichen Schulen gibt es entsprechende Angebote beziehungsweise Kooperationen.
Eine Besonderheit der PH ist die enge Verbindung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaften und Schulpraxis.
Vorteile einer PH
Ein großer Vorteil ist der starke Bezug zum späteren Lehrerberuf. Pädagogische und didaktische Fragestellungen spielen eine zentrale Rolle. Wer beispielsweise Mathematik studiert, beschäftigt sich also nicht nur mit mathematischen Inhalten, sondern auch intensiv mit der Frage: Wie vermittle ich Mathematik Schülerinnen und Schülern? Auch schulpraktische Erfahrungen sind fest in die Lehrkräftebildung eingebunden.
Mögliche Nachteile
Die starke Spezialisierung kann gleichzeitig eine Einschränkung sein. Wer beispielsweise Gymnasiallehramt studieren möchte, entscheidet sich in Baden-Württemberg grundsätzlich für eine Universität beziehungsweise bei bestimmten Fächern für eine Kunst- oder Musikhochschule. Auch wer sich besonders stark für die wissenschaftliche Vertiefung eines bestimmten Fachgebiets interessiert, könnte die fachwissenschaftliche Ausrichtung einer Universität attraktiver finden.
Lehramtsstudium an der Universität
Universitäten sind stärker durch Forschung und eine theorieorientierte wissenschaftliche Ausbildung geprägt.
Für das allgemeinbildende Gymnasium werden die wissenschaftlichen Fächer in Baden-Württemberg grundsätzlich an Universitäten studiert. Wer beispielsweise Geschichte, Biologie oder Mathematik auf Gymnasiallehramt studiert, beschäftigt sich intensiv mit der jeweiligen Fachwissenschaft. Das bedeutet allerdings nicht, dass Pädagogik und Didaktik an der Universität fehlen. Auch dort gehören Bildungswissenschaften, Fachdidaktik und schulpraktische Elemente zur Lehrkräftebildung.
Vorteile einer Universität
Ein Vorteil kann die intensive fachwissenschaftliche Ausbildung sein. Wer für seine Unterrichtsfächer brennt und sich ausführlich mit deren wissenschaftlichen Grundlagen beschäftigen möchte, findet hier ein passendes Umfeld. Universitäten bieten außerdem ein sehr breites Fächerspektrum und zahlreiche Forschungsmöglichkeiten.
Mögliche Nachteile
Gerade zu Beginn kann das Studium stärker fachwissenschaftlich wirken, als manche angehende Lehrkräfte erwarten. Wer Lehramt studiert, weil er möglichst schnell lernen möchte, wie guter Unterricht funktioniert, könnte sich deshalb zunächst mehr unmittelbaren Schulbezug wünschen.
PH oder Uni – was ist besser?
Ein pauschales „besser“ gibt es nicht. In Baden-Württemberg hängt die Wahl stark vom gewünschten Lehramt ab:
Grundschule → Pädagogische Hochschule
Sekundarstufe I → Pädagogische Hochschule
Sonderpädagogik → Pädagogische Hochschule
Gymnasium → Universität
Beim beruflichen Lehramt gibt es wiederum verschiedene Studienwege und Kooperationen. Hinzu kommt, dass PH und Universität heute keineswegs vollständig getrennte Welten sind. An verschiedenen Standorten arbeiten sie beispielsweise in sogenannten Schools of Education bei der Lehrkräftebildung zusammen.
Fazit
Wer vor der Entscheidung zwischen PH und Universität steht, sollte deshalb zuerst überlegen: An welcher Schulart möchte ich später unterrichten? Danach lohnt sich ein genauer Blick auf Studieninhalte, Fächerkombinationen, Praxisanteile und den jeweiligen Studienort. Vereinfacht lässt sich der Unterschied so beschreiben: Die PH zeichnet sich durch einen besonders ausgeprägten Professions- und Praxisbezug aus, während die Universität traditionell stärker fachwissenschaftlich und forschungsorientiert ausgerichtet ist. Beide Wege verfolgen jedoch dasselbe Ziel: zukünftige Lehrkräfte wissenschaftlich fundiert auf ihren Beruf vorzubereiten.